Unsere militärische Stärke nach dem Kriege wird im entscheidenden Maße von unserer finanziellen Kraft abhängen. Diese wird um so größer sein, je schneller und vollständiger es uns gelingt, unseren Außenhandel wieder aufzurichten. Ohne starken Außenhandel würden wir also militärisch schwach und unseren Gegnern auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert sein.
Es ist daher wohl kein Zweifel, daß eine der wichtigsten Aufgaben beim Friedensschluß die Wiederaufrichtung unseres Welthandels sein wird.
Abmachungen und Verträge über "offene Türen“, "wirtschaftliche Gleichberechtigung" oder "Meistbegünstigung“ allein genügen m.E. auf keinen Fall. Das Ziel unserer Gegner war bei Kriegsbeginn die Vernichtung unserer Weltmachtstellung; es ist ihnen im Kriege gelungen, unseren Außenhandel fast restlos zu zerstören. Sie werden uns das Gewonnene nicht freiwillig zurückgeben. Wir müssen uns daher feste Garantien auf wirtschaftlichem, maritimem und kolonialem Gebiet schaffen. Ohne solche Garantien ist bei den Abmachungen innerhalb des Bunde unserer Feinde und bei der allgemeinen Verhetzung gegen alles Deutsche ein wirtschaftlicher Aufschwung nicht gewährleistet, mag das Können und die Tüchtigkeit der deutschen Erwerbsstände noch so groß sein.
Ich darf bei der Bedeutung, die diese Fragen auch für die zukünftige militärische Stärke Deutschlands haben, ergebenst bitten, mir mitzuteilen, welche Art Garantien zur Wiederaufrichtung unseres Welthandels für erforderlich gehalten werden.
I. A.
Ludendorff handschr. Unterschrift
Dazu am linken Rand handschriftlich:
Feste Garantien können außer durch Abmachungen nur durch die Stärke unseres Gewerbes u. unserer Industrie geschaffen werden. Es kommt also darauf an, diese durch staatliche Eingriffe u. staatswirtschaftliche Experimente nicht zu schwächen, sondern für uns den freien durch staatliches Wirken nicht beschränkten unleserlich, verm. „Wettbewerb“ offen zu halten.
Stevenson
, David, The Failure of Peace by Negotiation in 1917, in: The Historical Journal 34/1 (1991), S. 65-86.
Stevenson
, Failure.
1991
Cullinane
, Michael P./
Goodall
, Alex: The Open Door Era. United States Foreign Policy in the Twentieth Century, Edinburgh: Edinburgh University Press 2017.
Cullinane/Goodall
Open Door.
2017
Schmidt
, Heide-Irene: Wirtschaftliche Kriegsziele Englands und interalliierte Kooperation, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen 29 (1981), S. 37-54.
Schmidt
, Kriegsziele Englands
1981
Fisch , Stefan: Strukturwandel von Reichswirtschaftsamt und Reichswirtschaftsministerium im Übergang zur Weimarer Republik, in: Karl-Ludwig Holtfrerich (Hg.): Das Reichswirtschaftsministerium der Weimarer Republik und seine Vorläufer, Berlin 2016, S.96–144. Fisch, Strukturwandel 2016
Oberste HeeresleitungDie Kommando- und Führungsbehörde des Oberbefehlshabers des deutschen
Feldheeres während des Ersten Weltkriegs. Es werden üblicherweise drei
Oberste Heeresleitungen (OHL) unterschieden: Die erste wurde von Helmuth von
Moltke bis September 1914 geführt, die zweite von dessen Nachfolger Erich
von Falkenhayn bis August 1916. Die dritte OHL wurde gemeinsam von Paul von
Hindenburg und Erich Ludendorff geleitet. Der Einfluss dieser letzten OHL
griff weit über den militärischen Bereich hinaus, weshalb für diesen
Zeitraum in der Literatur der Begriff einer Militärdiktatur diskutiert wird.
1919 aufgelöst.OHL
Sozialdemokratische Partei Deutschlands1863 gegründete sozialdemokratische Partei und Vertreterin der Arbeiter- und Arbeitnehmerinteressen. Sie gilt als älteste heute noch bestehende Partei und war bis 1930 die stimmenstärkste Partei bei den Reichstagswahlen, bevor sie von der NSDAP abgelöst wurde. Sie stellte zahlreiche Minister, bis 1925 den Reichspräsidenten und mehrfach den Reichskanzler.SPD
Deutsche Demokratische Partei1918 gegründete Partei, die für einen aufgeklärten Liberalismus stand
und an deren Gründung zahlreiche Intellektuelle und Wirtschaftsführer
beteiligt waren. Spielte sie in der Anfangsphase der Weimarer Republik noch
eine wichtige Rolle, wurde sie in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre in den
Wahlen mehr und mehr marginalisiert.DDP
Kronrat (Preußisches Staatsministerium)Bezeichnung für das Preußische Staatsministerium für den Fall, dass der
König selbst den Vorsitz führte.
Völkerbund (League of Nations)1919 gegründete supranationale Staatenorganisation. Ihre Aufgabe bestand
in der Sicherung des Weltfriedens, der Lösung internationaler Konflikte und
der Unterstützung sozialer und humanitärer Initiativen. Die Economic and Financial
Section war während der 1920er Jahre u. a. an verschieden Projekten
zur Währungsstabilisierung beteiligt. Auch in den 1930er Jahren erfüllte der
Völkerbund durchaus eine bemerkenswerte Arbeit bei der Lösung
internationaler wirtschaftlicher Probleme. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
mit den Vereinten Nationen eine vergleichbare Organisation geschaffen, bei
der, anders als beim Völkerbund, auch die USA Mitglied waren.
Ludendorff, Erich Friedrich WilhelmMilitär11857484109.04.186520.12.1937Ludendorffs militärische Karriere begann als Heeresoffizier beim Seebataillon. 1890–1893 war er Teil der Generalstabsausbildung und wurde 1895 Hauptmann im Großen Generalstab. Von 1904–1913 arbeitete er in der Aufmarschabteilung im Großen Generalstab und wurde 1913 Oberst und Abteilungschef. 1914 diente er als Generalmajor und Brigadekommandeur in Straßburg und erhielt im selben Jahr den Orden „Pour le mérite“. Anschließend wurde er Chef des Generalstabs der 8. Armee, 1916 General der Infanterie. 1918 stieg er zum Erster Generalquartiermeister in der Obersten Heeresleitung auf. Nach dem Krieg flüchtete er 1918 zunächst nach Schweden, kehrte aber nach Deutschland zurück und nahm u. a. am gescheiterten Hitler-Putsch teil.
Sydow, Reinhold vonPreußischer Beamter und Staatsminister14.01.185116.01.1943Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Berlin und
Heidelberg und der Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg arbeitete Sydow
zunächst als Anwalt und Justitiar. 1883 begann sein Aufstieg innerhalb der
preußischen Verwaltung mit der Ernennung zum Oberpostrat bei der Reichspost.
1908 wurde er zum Leiter des Reichsschatzamtes und gleichzeitig zum
preußischen Staatsminister ohne Ressort ernannt. Die von ihm durchgeführte
Finanzreform führte war ein zentraler Faktor für den Bruch des Bülow-Blocks.
Unter Bülows Nachfolger Bethmann Hollweg wurde Sydow 1909 zum Preußischen
Handelsminister ernannt. Er verblieb auch nach der Entlassung Bethmann
Hollwegs 1917 auf diesem Posten und schied erst im Oktober 1918 im Zuge der
Oktoberreformen aus dem Staatsdienst aus.
Bethmann Hollweg, TheobaldBethmann HollwegDeutscher Politiker und Reichskanzler (1909-1917 29.11.185602.01.1921Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Straßburg,
Leipzig und Berlin trat 1882 in den preußischen Staatsdienst ein. 1899 wurde
er zum Oberpräsidenten der preußischen Provinz Brandenburg, 1905 Preußischer
Innenminister. 1907 wechselte er auf die Reichsebene und wurde
Staatssekretär des Innern in der Bülow-Regierung. Nach Bernhard von Bülows
Rücktritt wurde Bethmann Hollweg 1909 Reichskanzler. In dieser Position
spielte er eine zentrale Rolle in den diplomatischen Verwicklungen, die zum
Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten und war im Krieg bis zu seinem
Rücktritt an allen wesentlichen Entscheidungen Deutschlands beteiligt. Sein
Rücktritt im Juli 1917 ist insbesondere auf das Betreiben der dritten
Obersten Heeresleitung um Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff
zurückzuführen, die dem Kaiser im Falle des Verbleibens Bethmann Hollwegs an
der Spitze des Reichs mit Rücktritt gedroht hatten.
Erzberger, MatthiasPolitiker11853100X20.09.187526.08.1921Erzberger war ab 1903 Reichstagsabgeordneter für die Deutsche Zentrumspartei. Als Leiter der deutschen Waffenstillstandskommission war er einer der Unterzeichner des Waffenstillstands von Compiègne. Im Januar 1919 wurde er in die verfassungsgebende Weimarer Nationalversammlung gewählt. Von Juni 1919 bis März 1920 war Erzberger Reichsfinanzminister und zeitweise Vizekanzler. Neben der Neuorganisation in Form einer Zentralisierung der Finanzverwaltung beinhalteten die unter seiner Ägide durchgeführten umfassenden Reformen auch die Einführung eines modernen einheitlichen Steuerrechts in Form der Reichsabgabenordnung. 1921 wurde er von Rechtsradikalen ermordet.
Benedikt XVBenedikt258. Papst (1914-1922) 21.11.185422.01.1922Benedikt XV wurde 1854 unter seinem bürgerlichen Namen
Giacomo della Chiesa in Genua geboren. Er wurde kurz nach Ausbruch des
Ersten Weltkriegs im September 1914 zum Papst gewählt. Während des Krieges
rief er die Kriegsparteien wiederholt zum Frieden auf und bot sich
schließlich mit seiner Friedensnote Dès le début als
neutraler Vermittler an. Seine Friedensbemühungen blieben letztlich
erfolglos, allerdings trugen sie dazu bei, die katholische Kirche
langfristig als Friedenspartei zu etablieren.
Moellendorff, Wichard vonIngenieur, Wirtschaftspolitiker,
Ministerialbeamter03.10.1881 03.05.1937Nach dem Maschinenbau-Studium an der Technischen
Hochschule Charlottenburg (1901-1906), bekleidete er eine führende Stellung
bei der AEG. Nach Ausbruch des Erstenweltkrieges folgte er Walther Rathenau in die auf dessen
Initiative gegründete Kriegsrohstoffabteilung und arbeitete dort in der
Sektion Chemie. 1916 wechselte er zum neu geschaffenen Kommissariat für die
Übergangswirtschaft. 1918 wurde er auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie
und Finanzwissenschaften an die TH Hannover berufen. Nach der
Novemberrevolution berief ihn Rudolf Wissel als Unterstaatssekretär ins
Reichswirtschaftsamt. Hier versuchte er, seine im Krieg ausgearbeitete
Konzeption zur Gemeinwirtschaft in die Praxis umzusetzen, scheiterte jedoch
an der Ablehnung seines Plans durch die Reichsregierung 1919. In der
Weimarer Republik leitete Moellendorff unter anderem das Materialprüfungsamt
und das Kaiser-Wilhelm-Institut für Metallforschung. Nach der
Machtergreifung der Nationalsozialisten schied er nach und nach aus allen
Ämtern aus. 1937 beging er Selbstmord.
MeistbegünstigungsklauselDie Meistbegünstigungsklausel besagt, dass Vorteile (etwa bei Handelserleichterung), die einer Vertragspartei gewährt werden, auch allen anderen Vertrgsparteien gewährt werden müssen. Auf diese Weise sollen Diskriminierungen einzelner Handelspartner verhindert werden. In den Verhandlungen um Handelsverträge während der 1920er Jahre spielte das Prinzip der Meistbegünstigung eine zentrale Rolle.