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Nr. 2.3.1.06

Julius Menke, stellvertretender Konsul der Hansestadt Bremen in Hongkong, an Johann Heinrich Smidt, Senator der Hansestadt Bremen, betr. die rückläufige Präsenz deutscher Schiffe in Hongkong, 19. April 1869

Konsulatsbericht

Regest:

Julius Menke, einer der Teilhaber des Handelshauses Wilhelm Pustau & Co. und zu dieser Zeit zugleich stellvertretender Konsul der Hansestadt Bremen in Hongkong übermittelt Johann Heinrich Wilhelm Smidt, dem Senator für die Auswärtigen Beziehungen der Hansestadt Bremen, verschiedene Verzeichnisse über den Schiffsverkehr im Hafen von Hongkong im Jahr 1868. Sowohl bei den europäischen als auch bei den amerikanischen Schiffen ist gegenüber 1867 ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, auch bei den Schiffen aus Bremen, Hamburg und Preußen zu verzeichnen ist. Als Hauptursache für diese Entwicklung benennt Menke, dass viele der früher in den chinesischen Gewässern fahrenden Segelschiffe inzwischen nach Europa zurückgekehrt seien. Eine Folge davon seien steigende Frachtraten für die verbliebenen Schiffe in der innerasiatischen Küstenschifffahrt, nicht zuletzt für die von chinesischen Auftraggebern bevorzugten deutschen Schiffe. Auch beim Piratenunwesen mache sich ein Rückgang bemerkbar.

Bremisches Consulat

Hongkong, den 19t. April 1869.

Ew. Hochwohlgeboren

Habe ich die Ehre in der Anlage ein Verzeichniß der Bremischen Schiffe, welche Hongkong während des Jahres 1868 besuchten, ganz ergebenst vorzulegen; es ergiebt sich daraus leider eine Abnahme von 23 Schiffen oder 6245 1/2 Bremer Lasten gegen das vorhergehende Jahr; indem im Jahre 1868 nur 57 Schiffe mit 11808 Lasten Hongkong besuchten gegen 80 Schiffe mit 18053 1/2 Lasten in 1867

Ich erlaube mir gleichzeitig Verzeichniße der Hamburgischen und Preussischen Schiffe beizulegen. Es stellt sich der Nord Deutsche Schiffahrts-Verkehr in Hongkong für 1868 auf 252 Schiffe mit zusammen 62285 1/2 Lasten à 4000 Pfund gegen 386 Schiffe mit zusammen 93736 1/2 Lasten à 4000 Pfund für das Jahr 1867.

Der gesamte Schiffahrts-Verkehr unter Europäischen und Amerikanischen Flaggen ergiebt für das Jahr 1868 ein Total von 1935 eingetroffenen Schiffen mit 944,102 Tons gegen 2343 Schiffe oder 1,147,122 Tons in 1867, und von ausgegangenen Schiffen für 1868 – 1948 Schiffe mit 937,810 Tons, gegen 2324 Schiffe mit 1,128,847 Tons in 1867, mithin


Se. Hochwohlgeboren

Herrn Senator J. Smidt

für die Auswärtigen Angelegenheiten

Bremen.

zeigte sich für das Jahr 1868 eine Abnahme gegen das Jahr 1867 von eingetroffenen Schiffen: 408 oder 203.020 Tons – und von ausgegangenen Schiffen: 376 oder 191,037 Tons –

Wie bereits in dem Consularischen Berichte für 1867 bemerkt wurde, sind viele der früher in den hiesigen Gewässern beschäftigten Schiffe von den Reisplätzen Saigon und Bangkok nach Europa versegelt und haben auch während des Jahres 1868 viele Schiffe derartige Charters angenommen zu hohen Raten. – Dagegen trafen verhältnißmäßig wenige Schiffe von Europa ein. – Während des verfloßenen Jahres bedangen namentlich Deutsche Schiff, welche von den Chinesen der Vorzug gegeben wird, gute Frachten, eben weil die Anzahl derselben verhältnißmäßig klein war.

Ich erlaube mir, Ew. Hochwohlgeboren den officiellen Jahres-Bericht des Hafenmeisters für das Jahr 1868 zur gefälligen Beachtung, ganz ergebenst zu unterbreiten, derselbe geht zur Ersparung des Porto’s, unter Kreuzband.

Leider ist dem Unwesen der Piraten noch immer nicht ganz gesteuert worden, und wenn auch glücklicher Weise eine Abnahme bemerkbar ist, so sind im verfloßenen Jahre doch wieder ein Nord Deutsches Schiff, die Lesmona, von Bremen, den Seeräubern zum Opfer.1

Ich habe die Ehre zu verharren

Ew. Hochwohlgeboren

ganz ergebener Diener

JMenke

Stellvertretender Consul