|1. Blatt, Vorderseite|
p. Overlandmail
Macao d. 13t. Janr. 1845
Herren Roß, Vidal & Co.
Hamburg.
Am 13t. & 19t. v. Mts hatte ich das Vergnügen, Ihnen auf verschiedenen Wegen p. Overlandmail zu schreiben und benütze die heutige Gelegenheit für die März-Mail um Sie von dem bisher Vorgefallenen in Kenntniß zu setzen.
Der Christian VIII hat seine Reparatur beendet und ist am 9t. ds. zur Einnahme von Ladung fertig gewesen. Morgen werde ich auf dem Schiffe nach Whampoa gehen um dort laden zu können. Dies verursacht leider eine Mehrausgabe von ca. $ 240.-. aber so wie der Handel sich jetzt gestaltet hat, war es durchaus nothwendig. Die Fracht & Assecuranz des Geldes nach Canton und der bis jetzt gekauften Waaren von Canton nach Macao würde ca. $ 200 betragen. Wenn ich dazu noch 200 $ Fracht & Assec. für ca. 1000–1200 K. Cassia rechne, welche ich hierher zu bekommen hoffe, so ist es jedenfalls vortheilhafter, das Schiff hinaufgehen zu lassen. Aber selbst wenn ich keine Cassia bekomme, ist die etwas größere Ausgabe der Beschädigung vorzuziehen, welche die wie Sie wissen leicht verpackten chinesischen Waaren bei dem 2 bis 3 maligen Neuladen in kleinen Böten erleiden. Da ich mit dem Kauf der Cassia bei den jetzt weichenden Preisen so lange als möglich warten muß, so konnte ich auch nicht das Schiff so lange hier liegen lassen, bis ich gekauft hätte, da dieses einen ferneren Zeitverlust von 4–5 Tagen verursachen würde. Jetzt hoffe ich jedenfalls vor dem chinesischen Neujahr welches d. 7t. Febr. ist und für 8 Tage alle Geschäfte unterbricht, von hier nach Singapore gehen zu können. Von dem Survey, welches das Schiff jetzt nach seiner Reparatur wieder für seefähig erklärt, sende ich Ihnen einliegend eine Copie, welche ich indessen da dort es nicht nöthig ist, nicht beglaubigen ließ.
|2. Blatt, Vorderseite|
Die Ihnen bereits gemeldeten Verkäufe bestanden in:
140 Pic. Camphor – 19 $
200 Kisten cand. Ingwer – 3.55} an Bord mit 2 % Decort.
10 Pic. Soya – 10 $} an Bord mit 2 % Decort.
10 Kisten – 1/2 Pic Zinnober – 50 $ 90 cs. p. Kiste
Die 140 Pic. Camphor, der Probe nach sehr schön, fielen so gemischt, daß ich sie refüsiren mußte, dagegen kaufte ich seitdem ca. 30 Pic. in Macao – 18 1/2 $ & hoffe noch 70 Pic. zu einem ähnlichen Preise zu bekommen. Dies steht ca. 9 1/2 s oder 4 1/2 Pfund nach London ein und scheint mir selbst bei bedeutenden Zufuhren nach Singapore ein billiger Preis. Von hier ist unbedeutend verschifft und der Vorrath von guter Waare ist sehr klein.
Von Rhabarber kaufte ich ca. 46 Pic. sehr schöne schwere Waare 2/3 runde & 1/3 flasche, fast ohne Wurmstich – 54 1/2 $ an Bord mit 2 % Decort, was ca. 25 1/2 s einsteht. Ich habe bis jetzt nur einige Probekisten gesehen, hoffe aber, daß die Parthie gut ausfällt, da ich sie sehr preiswürdig halte. Von alter wurmstichiger inwendig schwarzer Waare ist vieles hier [nachträglich ergänzt: in Canton] Preise von 30–40 $, von guter Waare habe ich nur diese Parthie gesehen.
Von Cassia kommt jetzt mehrs an & die Preise weichen allmählig. Würde ich noch 4 Wochen be mit dem Kaufen warten können, so bin ich überzeugt, gute, frische Waare unter 10 $ an Bord kaufen zu können; in der Zeit welche mir übrig bleibt hoffe ich jedenfalls zu 10 ½ $ anzukommen, welches ca. 6 1/4 s einsteht, aber selbst zu 11 $ würde ich 1200 Kisten kaufen. Dies steht 6 1/2 s ein & läßt bei der vortheilhaften Fracht p. 8 cwt. anstatt p. 50 Cfuß nach Ihren Notirungen noch einen hübschen Avanz. Wie vortheilhaft dieser Artikel zu Zeiten ist, können Sie daraus schließen, daß im Septb. & Octb. zu 9–9 1/4 $ an Bord ohne Vorausbezahlung contractirt ist, was nur 5 1/2 - 5/8 s einsteht. Obgleich die Septb. Mail welche vor einigen Tagen erst ankam, für Cassia fleurs lautet, glaube ich doch nicht, daß Preise niedriger gehen werden, da die letzte Aernte nicht reichlicher, eher geringer ausfallen wird und dieselbe so ungewöhnlich spät kommt, daß die Vorräthe in Europa sehr erschöpft sein müssen.
|3. Blatt, Vorderseite|
Die Theepreise sind noch immer namentlich von grünen Theen hoch. Ich habe die von Ihnen erhaltenen Proben taxiren lassen und finde, daß nur feine schwarze & ordinaire grüne Theen eine Marge lassen. Die Calculationen machte ich nach dem Durchschnittsgewichten der verschiedenen Sorten, aber ich gestehe, daß sich bei den verwickelten Theenverhältnissen und den sehr verschiedenen Gewichten keine genaue Calculationen machen konnte ließ. Auch zwischen den Preisnotirungen d/ Westphal & Kühn ist ein so bedeutender Unterschied, daß ich mich kaum darin zu finden weiß. Westphal & Co. schätzen je Pfund die Haysan-Probe auf 28–30 s. Dieselbe wird hier für feine Waare gehalten, wofür Kühn 40–44 s notirt, welches mit der hiesigen Taxe dieser Thees 65 Taels p. Pic. so ziemlich übereinstimmt und welches 46–47 s p Pfund einsteht. Um Sie nun über diesen Artikel möglichst au fait zu setzen, habe ich mich entschlossen ein kleines Assortiment von ca. 100 Kisten, möglichst genau nach Kühn’s Aufgabe der Qualität & Quantität der verschiedenen Sorten zu nehmen und hoffe ich daß im Ganzen kein Verlust dabei sein wird.
Von verschiedenen Sorten Stöcken habe ich 1600 St/ gekauft, welche zu den billigen Preisen von ca. 5 $ für black Bambus & ca. 12 $ p 100 für Partridge gute Rechnung geben werden wie ich hoffe.
Rad. Chinae in guter halbgeschälter frischer Waare ist nicht unter 3 $ zu kaufen, welches ca. 14 s einsteht.
Da ich hier schon so lange aufgehalten wurde & nicht auch in Singapore unnöthig lange bleiben will, lege ich heute einen Auftrag hin auf Sago & Gambier dessen Anschaffung gewöhnlich einige Zeit erfordert. 300 Kisten Sago hoffe ich zu 2 $ 90. = 2 1/8 s und 300 Körbe Gambier - 1.60 = ca. 9 s zu erhalten. Dies läßt einigen Avanz und das Schiff, welches jedenfalls etwas schweres Gut haben muß kommt in Batavia zur ungünstigsten Zeit zum Einkauf von Producten an.
Um Fracht nach Singapore zu erhalten ist wenig Aussicht|4. Blatt, Vorderseite| vorhanden, dagegen hoffe ich den Raum, welchen ich nicht für Waaren, in Singapore einzunehmen, gebrauche, vortheilhaft mit Frachtgütern für Batavia anfüllen zu können.
Von den spanischen Thalern verkaufte ich die Carolus IIII old head zu 8 1/2 % mit den Cowcheens (d. h. solchen Säulenpiastern, welche in Guadalavara gemünzt sind) zu pari. Diese letzteren geben gewöhnlich 3 % Disconto und der bedungene Preis ist daher vortheilhaft. Leider befanden sich unter sämmtlichen 16000 $ nur 4706 Carolus IIII old head dagegen 1163 Cowcheens, so daß die ganze Prämie ca. 400 $ beträgt. Es ist sehr schwierig, die richtige Sorte in Europa auszufinden und ich werde Ihnen von denjenigen Sorten, worin hier der größte Unterschied gemacht wird, Proben senden. Dies ist auch für Batavia von vielem Nutzen. Ferdinandus & Carolus new head sind pari oder geben 1–1 1/2 % Prämie, Cowcheens geben dagegen in der Regel 3–4 % Disconto & nur Carolus IIII old head & einige Carolus III geben 8–9 % Prämie. Viele von den Carolus IIII waren auch in den Fäßern, welche angeblich nur Ferdinandus enthalten sollten. Beide Facturen werde ich getrennt halten & später Abrechnung geben. Auch die Waaren werde ich Ihrer Vorschrift gemäß in zwei Hälften theilen lass & verschieden marken lassen. Nur bei dem Thee wo die Kosten durch verschiedene Marken sehr vermehrt werden würden, wird es hinreichend sein, ein Mark zu nehmen & in der Factur verschiedene Antheile zu geben.
In allen Bereichen des Importhandels ist es augenblicklich des chines. Neujahrs wegen sehr stille und Verkäufe lassen sich nur schwer bewerkstelligen. Nach Neujahr wird aber jedenfalls ein lebhaftes Geschäft erwartet. Ich habe bereits manche Notizen über den Importhandel hier in Canton & in Shanghai, welches sehr bedeutend zu werden verspricht, gesammelt und werde mir das Vergnügen machen Ihnen später einen ausführlichen Bericht darüber zu geben. Von Wollen & baumwollen Geweben hoffe ich, nicht ohne Mühe, eine ziemlich vollständige Probensammlung zu erhalten.
Wenn mir der Kauf von Cassia gelingt, xxxxxx werde ich |5. Blatt, Vorderseite| nur wenige Dollars mit nach Singapore nehmen. Ueber Assecuranz schrieb ich Ihnen bereits neulich & erlaube ich mir, der größeren Sicherheit wegen, dasselbe hier zu wiederholen: In Ihrem Briefe vom 18t. Juni schreiben Sie wo die Dollars, welche ich mit nach Singapore nehme, hier zu versichern welches ich auch würde thun können. Da Sie indeß nicht vorschreiben auch die Ladung hier zu versichern und Sie aus dem Obigen sehen, daß ich Ihnen jetzt noch nicht aufgeben kann, wie viel ich in Contracten & wie viel in Waaren nehmen werde, so erlaube ich mir Sie von der obigen Vorschrift abzuweichen und Sie zu ersuchen den ganzen Betrag von $ 17350.-. entweder Waaren oder Contracten dort zu versichern. Bei der Schnelligkeit der Landverbindung könnte es leicht möglich sein, daß die Nachricht eines etwaigen Unglücks ebenso schnell dort ankäme, als meine Aufgabe zur Assecuranz der an Bord befindlichen Waaren, welche also wenn Sie darauf die Aufgabe warten würden, ungedeckt wären.
Die an Bord befindlichen Dollars betrugen 17875 oder mit Prämie 18275 St/ dagegen brauche ich hier für Fracht von 10000 St/ $ 100.-. Hafengeld in Whampoa, [nachträglich ergänzt: $ 250] meine Ausgaben & die für das Schiff, so wie Passage nach Singapore ca. 600 $, so daß ich die obige Summe wieder in Geld oder Waaren von Canton mitnehmen werde.
Der größte Theil der September Mail ist noch immer nicht hier & man fürchtet den Verlust des Schiffes, welches dieselbe an Bord hat. Die Nachrichten, welche vor einigen Tagen über Calcutta hier ankamen, haben keine Veränderung im Markte verursacht.
Indem ich Ihnen noch zu dem angebrochenen neuen Jahr meine aufrichtigen Wünsche für Ihr Wohlsein & den besten Erfolg Ihrer Unternehmungen darbringe, verbleibe ich mit Hochachtung
Ihr Ergebener
G. T. Siemssen
bezw., bzw.beziehungsweise
p, p., pr.per (lateinisch)
d.der, die, das
Jan., Janr, Janr.Januar
v., vor.vorige, voriger, voriges
M., Mon, Mt.; Mts, Mts.Monat, Monate; [vorigen] Monats
ds., dss.dieses [Monats, Schreibens etc.]
ca, ca.circa (lateinisch)
Feb., Febr, Febr.Februar
cand.candiert
Sep., Sept, Sept., Septb., Septr., Septbr, Septbr.September
Oct, Oct., Octb., Octbr, Octbr., Octr.October
d/durch
St., St/Stück
PABBPrivatarchiv Bert Becker, Hongkong (China)
PABBPrivatarchiv Bert Becker, Hongkong (China)Sammlung Siemssen
T. E. Vidal & Co., BataviaAus dem von den beiden Brüdern Theodor Edmund Vidal und Camille Vidal 1828 etablierten Handelsstützpunkt Batavia der Kaufmannsreederei Roß, Vidal & Co. in Hamburg, ging bald darauf die eigenständige Firma T. E. Vidal & Co. hervor. Sie importierte in erster Linie Roheisen aus englischer und schwedischer Produktion nach Java, aber auch Glaswaren, Messer, Spielzeug und Tauwerk, außerdem Leder, Leisten und Seife aus deutscher Herstellung. Zucker, Reis und Gewürze bildeten die
Rückfracht nach Hamburg
. Als 1841 viele etablierte Handelshäuser in Batavia in eine finanzielle Krise gerieten, weil sie von der Javaschen Bank zuvor für den steigenden Import an europäischen Manufaktur- und Fabrikwaren in Ermangelung von Silbermünzen zu großzügig mit Krediten in Form von Papiergeld ausgestattet worden waren, standen T. E. Vidal & Co. relativ gut da. - Weitere Informationen zur Unternehmensgeschichte finden sich in: Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27.
Roß, Vidal & Co., HamburgDie Geschichte der Kaufmannsreederei Roß, Vidal & Co. in Hamburg ist eng verknüpft mit der hugenottischen Kaufmannsfamilie Vidal, deren Spuren sich in Hamburg bis in das frühe 18. Jahrundert zurückverfolgen lassen. Nach dem Tod des Inhabers der Firma Vidal & Co., Charles Louis Vidal (1758–1809) verheiratete sich dessen Witwe Sophie Vidal, geb. Roß (1770-?) mit Johann Heinrich Liebrecht, der zuvor einige Jahre als Prokurist für die Firma tätig gewesen war. Unter dem Namen Witwe Vidal & Co. führten sie das Unternehmen gemeinsam fort und kauften 1823 ein erstes eigenes Segelschiff, das im Sommer 1823 über Rio de Janeiro und Buenos Aires nach Batavia auf Fahrt ging. Mit dem Eintritt von Daniel Roß (1777–?) in die Firma, einem jüngeren Bruder Sophie Vidals, der zuvor als Kaufmann in London tätig gewesen war, änderte diese 1827 ihren Namen zu Roß & Liebrecht. Nur zwei Jahre später etablierten Roß & Liebrecht die erste deutsche Handelsagentur in Batavia, die von Theodor Edmund Vidal und Camille Vidal, zwei Söhnen von Charles Louis und Sophie Vidal, geleitet und später von ihnen unter dem Namen T. E. Vidal & Co. als eigenständige Firma weitergeführt wurde. Roß & Liebrecht firmierte 1830, mit dem Ausscheiden von Johann Heinrich Liebrecht um zu Roß & Co., um nur drei Jahre später, als Daniel Roß seinen Sohn Edgar Daniel Roß und seinen Schwiegersohn Adolph Eduard Vidal in die Firma aufnahm, erneut umbenannt wurde, nun zu Roß, Vidal & Co. Seine Blütezeit als Kaufmannsreederei erlebte das Haus Roß, Vidal & Co. in der zweiten Hälfte der 1850er Jahre, als es die eigenen sieben Segelschiffe, darunter die „Mary Stewart“, das einst größte hamburgische Segelschiff überhaupt, mehrfach nach Batavia, Singapur und China entsandte; in Ostasien betätigten sich diese Schiffe auch in der Küstenschifffahrt und kehrten nach ein, zwei Jahren mit Waren nach Hamburg zurück. Außerdem beteiligten sich Roß, Vidal & Co. an der Finanzierung der Handelsgeschäfte anderer Kaufleute, wobei ihnen nicht zuletzt die guten Verbindungen der ursprünglich aus Schottland stammenden Familie Roß zu verschiedenen Merchant Bankern in London von Nutzen waren. 1856 gehörten Roß, Vidal & Co. zu den Mitbegründern der Norddeutschen Bank AG. - Weitere Informationen zur frühen Unternehmensgeschichte finden sich in: Ernst Hieke, Über die Anfänge des deutschen Handels mit Ostindien. Das hamburgische Handelshaus Ross, Vidal & Co. und die Vorgeschichte von Siemssen & Co., unveröffentlichtes Manuskript, in: Staatsarchiv Hamburg (StAH), 622-1/506, 27. Vgl. außerdem
Schmidt, Bankwesen
.
Westphal & Co.Die Firma Westphal & Co. war um 1840 mit der gewerblichen Taxierung von Tee befasst.
KühnKühn war um 1840 als Fachmann mit der gewerblichen Taxierung von Tee befasst.
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Macau [Portugiesischer Stützpunkt in China]; auch: Aomen (Pinyin), MacaoDie Stadt Macau im Delta des Perlflusses wurde seit Mitte des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen als Handelsstützpunkt genutzt und von ihnen 1845 einseitig zum Freihafen erklärt. Der rechtliche Status der Stadt blieb zwischen Chinesen und Portugiesen umstritten.
Hamburg
Kanton [Stadt in China]; auch: Canton, Guangzhou (Pinyin)
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Anhui [Provinz in China]
Whampoa [Reede im Delta des Perlflusses bei Kanton in China]
London
Europa; auch: Europe (englisch)
Guadalavaca [Stadt auf Kuba]; auch: Guadalavara
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
Kalkutta, auch: Calcutta
Siemssen, Georg TheodorGeorg Theodor SiemssenKaufmann, Konsul101991322315.03.181624.11.1886Georg Theodor Siemssen ging im Auftrag des Handelshauses Roß, Vidal & Co. in den 1830er Jahren auf Expeditionsfahrten nach Ostasien und wurde schließlich für deren Niederlassung in Batavia, die Firma T. E. Vidal & Co. tätig. Er stand im engen Austausch mit seinen früheren Schulfreunden Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer, die sich 1840 mit der Firma Behn, Meyer & Co., in Singapur selbständig gemacht hatten. Er selbst konnte sich dazu erst 1846 entscheiden und ließ sich mit der Firma Siemssen & Co. in Kanton nieder. 1852 wurde er zum Konsul der Hansestadt Hamburg in Kanton berufen, 1855 bzw. 1856 übernahm er auch die Aufgaben eines Konsuls der Hansestädte Bremen und Lübeck. Das von ihm gegründete Unternehmen entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschen Handelshäuser in China mit Verbindungen nach Südostasien, Europa und Amerika. Er selbst kehrte 1858 nach Hamburg zurück, konzentrierte sich mit der Firma G. T. Siemssen auf die Pflege der Geschäftsverbindungen in Europa und übernahm verschiedene Ehrenämter. Von 1862 bis 1873 gehörte er der Hamburgischen Bürgerschaft an. Vgl.
Möring, Siemssen & Co.
.
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Einkauf; auch: Einkaufsgesellschaften
Geschäftskosten; auch: costs (englisch), Handlungs-Unkosten, Kosten, Schiffs-Unkosten, Spesen, Unkosten
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
EinstandspreisDer im Warenhandel gebräuchliche Begriff des Einstandspreises setzt sich zusammen aus dem Einkaufspreis (Listenpreis), von dem unter Umständen noch ein Preisnachlass abgezogen werden kann, und den Bezugsspesen, zu denen Fracht, Versicherung, Provisionen etc. gerechnet werden. Der Einstandspreis einer Ware, die in Macao gekauft und zum einen nach Singapur, zum anderen nach London geliefert werden soll, hat also in der Regel den gleichen Einkaufspreis, aber unterschiedliche Einstandspreise - je nach Bestimmungsort und den dafür zusätzlich anfallenden Kosten. Vgl.
Bott, Handwörterbuch des Kaufmanns, Bd. 2
, S. 72.
Cassia lignea (lateinisch); auch: Cassia, Cassia buds (englisch), Cassia fleurs (französisch), Cassia flores (lateinisch), Cassia-lignea, Flores Cassiae (lateinisch)Der chinesische Zimtbaum (Cinnamomum cassia) aus der Gattung der Lorbeergewächse wird vor allem wegen seiner Gewürzrinde (Cassia lignea), aber auch wegen seiner Blütenstände (Cassia flores) geschätzt. Beides kann als zimtartiges Gewürz oder zu medizinischen Zwecken verwendet werden, ist aber kein echter Zimt.
Kampfer; auch: Campher, CamphorDer aus den Bestandteilen des in Asien weit verbreiteten Kampferbaums gewonnene Kampfer, ein farbloses oder weißes Pulver, wurde im 19. Jahrhundert vor allem für medizinische Zwecke verwendet.
Tee; auch: tea (englisch), Teehandel, TheeTee und Teehandel sind wegen ihrer großen Bedeutung für die Export- wie die Importländer im 19. Jahrundert schon häufiger Gegenstand eingehender wirtschaftshistorischer Untersuchungen gewesen. Aus der jüngeren Forschungsliteratur seien nur zwei Studien hervorgehoben:
Rappaport, Thirst for Empire
;
LIU, Tea War
.
Silbermünze; auch: Silbergeld
Versicherung; auch: Assecuranz, insurance (englisch), policy (englisch), Versicherungsgesellschaft, Versicherungspolice, premium (englisch), Versicherungsprämie, Versicherungswesen
Postverkehr; auch: Landverbindung, overland mail (englisch), Overlandmail, Postdampfer, Postschifffahrt, Postverlauf, Sattelkurier, Ueberlandweg
Fracht [Frachtkosten]; auch: Frachtpreis, Frachtrate, Frachtspesen
Geld; auch: Baares, Geldmittel, Kassa-System, money (englisch), Verkehrsmittel, Zahlungsmittel
Neujahrsfest, chinesischesDas chinesische Neujahrsfest gilt als der wichtigte chinesische Feiertag und wird auch in vielen anderen Ländern Ostasiens gefeiert. Der Termin dafür wird nach dem traditionellen chinesischen Lunisolarkalender berechnet und fällt jeweils auf einen Neumond (meist den zweiten) zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar des gregorianischen Kalenders.
Kiste [Raummaß]; auch: chest (englisch)Die Kiste ist ein vor allem im Teehandel übliches Raummaß, das im 19. Jahrhundert regional noch stark schwankte. Nicht nur unterschiedliche Kantenlängen, auch die schwankende Feuchtigkeit des Tees machen eine präzise Umrechung in standardisierte Gewichtseinheiten schwierig. In Hamburg wurde eine Kiste Tee in den 1840er Jahren üblicherweise mit 25 Kilogramm veranschlagt.
Ingwer; auch: Chinaknolle, Galanga, Galangal, Ingber
Dekort; auch: Decort s. auch Preisnachlass
Als „Dekort“ wird ein spezieller Preisnachlass im Großhandel bezeichnet, der dem Käufer bei Abnahme großer Posten gegen Barzahlung gewährt wird. Auch der Abzug an einer Rechnung wegen falscher Spezifikation oder schlechter Qualität wird als Dekort bezeichnet.
ZinnoberZinnober ist ein Mineral mit intensiver roter Färbung.
Warenprobe; auch: Probekiste, Probensammlung, Warenprobenpacket
Shilling [Währungseinheit]; auch: s, shDas britische Pound Sterling unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und 240 pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Pound Sterling [Währungseinheit]; auch: £, £ st., l., Pfund Englisch, Pfund SterlingDas britische Pound Sterling, üblicherweise abgekürzt mit dem Zeichen £, unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Provision; auch: provision (englisch), Umsatzprovision
Avanz, Ayanz s. auch Gewinn
Der im norddeutschen, für die französische Sprache aufgeschlossenen Bildungsbürgertum des 19. Jahrhunderts verwendete Begriff „Avanz“ oder „Ayanz“ für einen Ertrag oder das bilanzielle Aktivum Gewinn lässt sich durch Substantivierung von dem französischen Hilfsverb avoir (haben) bzw. dessen Partizip Präsenz ayant (habend) ableiten.
Zahlung; auch: Auszahlung, Barzahlung, Bezahlung, Disbursement, Einzahlung, Geldüberweisung. Giro Verkehr, payment (englisch), Rückzahlung, Vorausbezahlung, Zahlungsanweisung, Zahlungsausfall, Zahlungsbedingungen, Zahlungsbereitschaft, Zahlungsmethode, Zahlungsmodus, Zahlungsschwierigkeit, Zahlungsverkehr, Zahlungsverweigerung, Zahlungsverzögerung
Kalkulation, betriebswirtschaftliche; auch: Berechnung, Calculation, Kalkulationsmodus
Preisnotierung; auch: Notirung, Preisnotirung, Preisnotiz
Tael [chinesische Währungseinheit]; auch: Tl., Tls., Ts., Silber-Tael, Tail; s. auch Shanghai-Tael
Die chinesische Währungseinheit Tael, die ursprünglich eine Gewichtseinheit für Silber war, lässt sich unterteilen in 10 mazes, 1 maz (m.) wiederum entspricht 10 candareen (cand.), 1 candareen 10 cashes (c.). Der Wert des Taels war er abhängig vom schwankenden Silberpreis, variierte aber auch regional sehr stark, so wurde im späten 19. Jahrhundert 1 Kanton-Tael mit 33,816 Gramm Silber gleichgesetzt, ein Shanghai-Tael dagegen mit 37,759 Gramm Silber. - Grundlegend zu den chinesischen Geld- und Währungsverhältnissen:
King, Money and Monetary Policy
;
Horesh, Shanghai‛s Bund
.
Qualität; auch: Güte, Produktqualität, Qualitätsgarantie
Verlust; auch: loss (englisch), Verlustbeteiligung
Rohr; auch: Bambus, Stöcke, Stuhlrohr„Rohr“ ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Rohrpflanzen, wie zum Beispiel Bambusrohr, Schilfrohr oder Zuckerrohr.
Rebhuhnholz; auch: partridge (englisch), PartridgeholzDer Begriff „Rebhuhnholz“ bezeichnet ein sehr hartes, hochwertiges Holz von der dunkelbraunen und gelben Farbe von Rebhuhnfedern, das u. a. zur Herstellung von Werkzeugen Verwendung findet.
Rechnung; auch: account (englisch), Factur, Factura, Faktur
Gambir; auch: GambierGambir ist ein natürlicher brauner Farb- und Gerbstoff, der aus den jungen Stengeln und aus den Blättern der Strauchpflanze Uncaria gambir oder ähnlicher Arten gewonnen werden kann.
Korb [Raummaß]Ein „Korb“ wurde im Handel des 19. Jahrhunderts auch als Raummaß verwendet, etwa bei trockenen Waren wie Früchten, Reis oder Kohlen. Größe und Gewicht konnten dabei erheblich variieren.
Fracht [Frachtgut]; auch: Ladung, Schiffsladung
Taler, spanische [Währungseinheit]; auch: $, Carolus-Dollar, Ferdinandus-Dollar, Pillar Dollar, Säulenpiaster, spanische Thaler Spanische Taler waren wegen ihres Silbergehalts im Handel mit China sehr beliebt. Sie wurden vor Ort mit
dem Sycee, dem
chinesischen Stücksilber, gleichgestellt und schon in den 1840er Jahren
mit hohen Aufschlägen gehandelt. Da sie das spanische Wappen mit den
zwei Säulen des Herkules trugen, wurden sie auch „Säulenpiaster“ oder
„Pillar Dollar“ genannt. Sofern sie in der Regierungszeit des spanischen
Königs Carolus geprägt worden waren, trugen sie außerdem den Namen
Carolus-Dollar. Waren sie in der Regierungszeit des Königs Ferdinand
geprängt worden, nannte man sie auch Ferdinandus-Dollar. Vgl.
Arnold Otto Meyer, Hamburg
(Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Maniula und
Sandokan)
.
Cowcheen [Währungseinheit]„Cowcheen“ ist die Bezeichnung für eine spanische Silbermünze, die in Guadalavaca auf Kuba geprägt wurde und in den 1840er Jahren im Handel mit China Verwendung fand.
Handelsmarke; auch: brand (englisch), Firmensignet, Mark, Marke, Markenschutz, Markenzeichen, Musterschutz
Baumwollgewebe; auch: cotton cloth (englisch), cottons (englisch), long cloth (englisch) s. auch: Shirtings
Kaufvertrag; auch: Contract
Passage; auch: Passagegeld, Passageschein, Passagier, Passagierdampfer, Passagierschifffahrt