|1. Blatt, Vorderseite|
An
Eure Königliche Wohllöbliche Handelskammer von Elberfeld und Barmen
Eurer Wohllöblichen Handelskammer beehren wir uns anbei Abschrift des von uns wegen Anknüpfung von Handelsverbindungen mit China unter dem heutigen Tage an den Herrn Ober-Präsidenten der Rhein Provinz erstatteten Berichtes mit dem ergebensten Ersuchen mitzutheilen, uns ebenfalls den von Wohlderselben in dieser Angelegenheit etwa erstellten Bericht gefälligst communiciren zu wollen.
Aachen, den 14. Juni 1843
Die Handelskammer für Aachen und Burtscheid.
Hansemann
C. G. Dahmen
H. Croon
Vermerk zur Bearbeitung und Beantwortung durch die Handelskammer für Elberfeld und Barmen, die demnach am 23. Juni 1843 wie gewünscht ihren eigenen Bericht in Abschrift an die Handelskammer für Aachen und Burtscheid übermittelte
|1. Anlage, 1. Blatt, Vorderseite|
Abschrift.
Die Anknüpfung von Handelsverbindungen
mit China betr.
Der Inhalt des verehrten, am 21. v.
M. uns zugegangenen, zur Seite näher
bezeichneten Erlasses liefert einen neuen dankbar anzuerkennenden Beweis der
Fürsorge, welche die hohe Staatsregierung den diesseitigen Gewerbsinteressen
überall zu widmen bereit ist, indem dieselbe darnach den in unserem
Jahresberichte für 1842 ausgesprochenen Wunsche wegen consularischer Vertretung
unserer Interessen in Ostindien und
China durch vorgängige Entsendung
eines Commissarius zur Durchforschung des dortigen Handelsgebietes und
Beförderungen von Handelsverbindungen entgegen zu kommen beabsichtigt.
Nach dem fernern Inhalte des verehrten Erlasses müssen wir annehmen, daß die Wahl zu dieser wichtigen Sendung auf eine mit den einheimischen industriellen Verhältnissen hinlänglich vertrauten Mann gefallen ist. Jedenfalls wäre es wünschenswerth, daß demselben, wenn er nicht spezielle Kenntnisse von Handel und Fabrikwaren haben sollte, in dieser Beziehung fachkundige Männer beigegeben würden. Solche dürften in den Seeplätzen, wie namentlich in Hamburg, Bremen und Antwerpen wohl zu gewinnen sein.
Was die dem Commissar im Interesse des hiesigen Handels und Gewerbefleisses schon jetzt zu ertheilenden und speziellen Aufträge anlangt, so können wir bedauern, daß derselbe nicht vorher in den hiesigen Fabriken persönlich sich umgesehen hat, indem es den einzelnen Fabrikanten alsdann möglich gewesen sein würde, ihn mit allen wünschenswerthen Aufklärungen und der nöthigen Information zu versehen.
Einzelne grössere Fabriken haben bereits früher, hauptsächlich durch Vermittelung der Holländer|1. Anlage, 1. Blatt, Rückseite| und Engländer einen Absatz nach China gesucht; es haben diese Versuche indeß bei der übermächtigen Concurrenz der Engländer und Amerikaner keinen besonderen Erfolg gehabt, weshalb bei den hiesigen Tuchfabrikanten auch der Wunsch noch fortbesteht, durch Unterhandlungen mit Rußland den frühern Landweg nach Kiachta ihrem Fabrikate wieder eröffnet zu sehen.
Unter den obwaltenden Umständen wird der Spezial-Commissarius im hiesigen Interesse zunächst auf den Absatz von Wollenwaaren, Messingfabrikaten u. Nähnadeln sein Augenmerk zu richten haben. Die hiesigen Tuchfabrikanten können alle Arten von Tüchern, von den leichtesten bis zu den schwersten und in jeder Farbe liefern, und ebenso sind die hiesigen Nähnadelfabrikanten im Stande, jede Gattung von Nadeln, namentlich auch die in China gebräuchliche mit einer zweiten Spitze statt des Knopfes darzustellen.
Es kömmt daher nur darauf an, daß von dem Herrn Commissarius ihnen Proben und Marken der Hauptartikeln, wie sie in China gangbar sind, unter Angabe der Preise, Verpackungsweise und Bezeichnung, mitgetheilt werden.
Die von Seiten des Kgl. Gouvernements dem Commissarius zu ertheilenden allgemeinen Instructionen, wie solche sub 1–5 des Erlasses angeführt sind, erscheinen ganz angemessen & derselbe wird an Ort und Stelle am besten darüber urtheilen können, in welchen der 5 neu eröffneten Seehäfen des Chines. Reiches und in welchen Handelsplätzen des britischen Indiens so wie ostindischen Archipelagos Consuln anzustellen sein werden; jedenfalls sind|1. Anlage, 2. Blatt, Vorderseite| Canton und Singapore in dieser Hinsicht besonders zu berücksichtigen.
Schließlich sprechen wir die Hoffnung aus, durch einen umfassenden Bericht über die für den chinesischen Handel geeigneten Artikel, so wir über die dortigen Retouren demnächst in den Stand gesetzt zu werden, die Fabrikanten unseres Ressorts auf Unternehmungen nach jenen Ländern näher aufmerksam machen zu können.
Haben bis dahin die seefahrenden Nationen auch einen bedeutenden Vorsprung gewonnen, so steht doch andererseits zu hoffen, daß unsere Fabriken in der Güte und Preiswürdigkeit ihrer Waaren ein Mittel finden werden, mit derselben erfolgreich zu concurriren.
Aachen, 14 Juni 1843.
Die Handelskammer für Aachen & Burtscheid,
gez. Hansemann, C. G. Dahmen, H. Croon
v., vor.vorige, voriger, voriges
M., Mon, Mt.; Mts, Mts.Monat, Monate; [vorigen] Monats
u, u.und
Kg., Kgl., königl., kongl:, konigl.Königlich, königlich
chin., chines.chinesisch
gez., gez:gezeichnet
RWWARheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, Köln
RWWARheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, KölnAbt. 22Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid (1785–1998)
GStA PKGeheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin
GStA PKGeheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, BerlinI. HA, Rep. 151Finanzministerium
Stoecker
, Helmuth: Deutschland und China im 19. Jahrhundert. Das Eindringen des deutschen Kapitalismus (Schriftenreihe des Instituts für Allgemeine Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, 2), Berlin (Ost) 1958
Stoecker
, Deutschland und China
1958
Eberstein
, Bernd: Preußen und China. Eine Geschichte schwieriger Beziehungen, Berlin 2007
Eberstein
, Preußen und China
2007
Eberspächer
, Cord (Bearbeiter): Preußen-Deutschland und China 1842–1911. Eine kommentierte Quellenendition (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz, Quellen, 74), Berlin 2021
Eberspächer
, Preußen-Deutschland und China
2021
Handelskammer für Aachen und Burtscheid
Handelskammer für Elberfeld und Barmen bzw. Handelskammer Elberfeld
Konsulat Preußens
Regierung Preußens
Handelskammer Köln
Oberpräsidium der Rheinprovinz, Koblenz
Regierung Preußens, Finanzministerium
Aachen
Elberfeld
Koblenz
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Kanton [Stadt in China]; auch: Canton, Guangzhou (Pinyin)
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
OstindienIm 19. Jahrhundert wurde der deutsche Begriff „Ostindien“ häufig synonym verwendet für Ostasien.
Hamburg
Bremen
Antwerpen
Russland; auch: Russia (englisch), Rußland
Britisch-Indien; auch: British India (englisch), Englisch-Indien, Englisch-Ostindien, Hinter-Indien, Indien, Vorder-IndienDie Bezeichnung Britisch-Indien bezog sich im 17., 18. und der ersten Hälftre des 19. Jahrhunderts auf die Besitzungen der East India Company (EIC). Mit deren Auflösung im Jahr 1858 wurde die Kronkolonie Britisch-Indien geschaffen, seit 1876 auch als „Kaiserreich Indien“ bezeichnet. Bei ihrer größten Ausdehnung umfasste Britisch-Indien die heutige Republik Indien sowie die Territorien der heutigen Staaten Myanmar (früher Britisch-Burma), Bangladesch, Bhutan, Nepal und Pakistan sowie diejenigen Teile der Region Kaschmir, die heute zur Volksrepublik China gehören. Nur die Hälfte der Landfläche und etwa zwei Drittel der Bevölkerung Britisch-Indiens standen jedoch unter direkter britischer Herrschaft, denn diese stützte sich auch auf zahlreiche einheimische Fürstendynastien (Maharadschas). - Einen Überblick über die Geschichte Britisch-Indien gewährt:
Stuchtey, Britisches Empire
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Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Philippinen
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
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Java [Insel in Niederländisch-Indien]
Grube, Friedrich WilhelmFriedrich Wilhelm GrubeBeamter, Kommerzienrat11688673016.02.179525.06.1845Friedrich Wilhelm Grube stand in den Diensten der Königlichen Regierung in Düsseldorf als er im Frühjahr 1843 vom preußischen Finanzminister Ernst von Bodelschwingh den Auftrag bekam, nach dem Bekanntwerden des zwischen Großbritannien und China geschlossenen Vertrages von Nanjing (29. August 1842) eine Erkundungsreise nach China zu unternehmen; er sollte klären, wie sich die Perspektiven des preußischen bzw. deutschen Handels mit China darstellten und ob der Abschluß eines Handelsvertrages geboten schien. Er trat diese Reise im August 1843 an, verfasste ausführliche Berichte über seine Erkundungen in China, auf den Philippinen, in den Straits Settlements und in Niederländisch-Indien, wo er jedoch einem schweren Fieber erlag und verstarb. Vgl.
Grube, Friedrich Wilhelm Grube
;
Ohrt, Grube‛s Reise
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Oberpräsident der preußischen Rheinprovinz
Wollwaren; auch: Wollenwaaren, Wollmaterial, woollens (englisch)
Nadeln; auch: Nähnadeln, needles (englisch)
Manufakturwaren; auch: Manufacte, Manufaktur, Manufacturwaaren
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Niederländer; auch: Dutch (englisch), Holländer
Briten; auch: British (englisch), Britons (englisch), Engländer, English (englisch), Englishmen (englisch)
Amerikaner; auch: Americans (englisch)
Tuchfabrikant, Tuchfabrik, Tuchindustrie
Preis; auch: Außenhandelspreis, Bruttopreis, Einkaufspreis, Facturapreis, Kaufpreis, Listpreis, Preisentwicklung, Preisverfall, price (englisch), Selbstkostenpreis, value (englisch), Verkaufspreis, Waarenwerth, Weerth, Wert, Werthbemessung
Verpackung; auch: Emballage, Holzkiste, Kiste, Korb